Anton Bruckners Skizzen und Entwürfe

Eine vergleichende Studie

Die Brucknerforschung interessiert sich seit ihren Anfängen für die Skizzen und Entwürfe des Komponisten. So liegt bislang eine Reihe von größeren Studien vor, die sich intensiv mit Fragen des Schaffensprozesses auf der Grundlage von Quellenmaterial zur 3. (Röder 1987 und 1997), 8. (Röthig 1978 und Hermann 2008) und 9. Symphonie (Sonntag 1987) beschäftigen. Nur in einer einzigen Studie wurden bislang Manuskripte aus einer längeren Schaffensperiode (Hawkshaw 1984) ausgewertet. Das Gesamtcorpus erhaltener Skizzen und Entwürfe, welches Material sowohl zu allen Gattungen in Bruckners Oeuvre als auch aus allen Perioden seiner kompositorischen Entwicklung enthält, war bislang noch nie Gegenstand systematischer Untersuchung. Auch liegt noch kein umfassender Quellenkatalog vor.

Das vorliegende Projekt wird diese Forschungslücke in drei Schritten schließen: Der erste Schritt umfasst die Erstellung eines ausführlichen Katalogs aller erhaltener Quellen, der ihren Inhalt präsentiert und sie bibliographisch beschreibt. Im zweiten Schritt wird das Quellencorpus philologisch untersucht und hermeneutisch kontextualisiert. Als primäre Methode gelangt dabei der Vergleich zur Anwendung. Gegenstand der Untersuchung sind der Schriftduktus, die Art wie verschiedene Schreibstoffe eingesetzt wurden, wie Bruckner Generalbassnotation, metrische Ziffern sowie verbale Kommentare im Skizzierstadium benützt und mit Dynamik, Artikulation, Tempobezeichnungen und Gesangstext verfährt. Außerdem gilt ein Augenmerk möglichen Indizien für Einflüsse durch Bruckners Lehrer und die Theoretika, die er studierte sowie Parallelen zwischen Bruckners Arbeitsmethode und der anderer symphonischer Komponisten seiner Zeit. Viele der Skizzen und Entwürfe, abgesehen von jenen zur 9. Symphonie, sind bislang, wenn überhaupt, nur in Editionen verfügbar, die modernen philologischen Standards nicht entsprechen. Daher umfasst der dritte Schritt des Projekts die Edition aussagekräftiger Beispiele aus den Quellen.

Insgesamt werden die Ergebnisse des Projekts das bislang vollständigste Bild von Bruckners Arbeitsweise und ihrer Entwicklung während seiner gesamten Karriere als Komponist ergeben.

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